AD(H)S


Was ist AD(H)S?

 

Die Abkürzung AD(H)S steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom bzw. -Störung.

Bei AD(H)S sind bestimmte Prozesse in den Teilen des Gehirns beeinträchtigt, die für die Steuerung und Koordination der Informationsverarbeitung zuständig sind. Die eingeschränkte bzw. abweichende Wahrnehmungsfähigkeit z. B. im auditiven, visuellen oder taktilen Bereich, hat komplexe Auswirkungen auf Verhalten, Motorik und Selbststeuerung:

 

Symptome:

1. Beeinträchtigte Aufmerksamkeit

Die beeinträchtigte Aufmerksamkeit kann sich zeigen durch:

  •  kurze Aufmerksamkeitsspannen
  •  auffallende Diskrepanz zwischen der offenkundigen Intelligenz und der  Leistung
  •  Tagträumereien
  •  leichte Ablenkbarkeit – Konzentrationsschwäche
  •  rasche Ermüdbarkeit – wenig Ausdauer
  •  auffallende Langsamkeit bei der Aufgabenerfüllung
  •  übermäßige Vergesslichkeit
  • häufiges Verlieren und Verlegen von Gegenständen
  • scheinbares Überhören von Anweisungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Kritikempfindlichkeit

      

2. Übermäßige Impulsivität

Übermäßige Impulsivität bedeutet einen Mangel an Selbststeuerung und kann sich äußern durch:

  • heftige, plötzliche Gefühlsausbrüche
  • Jähzorn und Wutanfälle
  • vermehrte Reizbarkeit
  • niedrige Frustrationstoleranz
  • spontanes, unüberlegtes und unberechenbares Handeln
  • rasches Wechseln von verschiedenen Beschäftigungen
  • Ungeduld
  • planloses Arbeiten
  • übermäßiges und lautes Reden
  • rücksichtsloses Stören und Unterbrechen, wenn andere sich unterhalten
  •  Streitsüchtigkeit
  •  Probleme bei der Übernahme von Verhaltens- und Alltagsregeln

 

 

3. Motorische Über- bzw. Hyperaktivität

Motorische Über- bzw. Hyperaktivität ist gekennzeichnet durch:

  • übermäßigen und oft ungesteuerten Bewegungsdrang
  • unruhiges Verhalten – ständiges Zappeln („Zappelphilipp“)
  • Rastlosigkeit
  • Unfähigkeit, länger still zu sitzen
  • Koordinationsschwäche beim Bewegen (grobmotorisch)
  • geringes Schlafbedürfnis
  • erhöhtes Mitteilungsbedürfnis
  • Reden mit Händen und Füßen
  • Schwierigkeiten mit leisen Freizeitbeschäftigungen
  • übermäßige Lautstärke beim Spielen
  • innere Unruhe (bei Erwachsen)

 

Zusatzsymptome

Die Zusatzsymptome von AD(H)S treten nicht bei jedem Betroffenen (gleich stark) auf.

Zu diesen zusätzlichen Verhaltensauffälligkeiten zählen z.B.:

  • Aggressivität
  • Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwächen
  • Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung
  • Tics (= in kurzen Abständen wiederkehrende, krampfartige, willkürlich nicht unterdrückbare Zuckungen von Muskeln oder Muskelgruppen, besonders häufig im Gesichtsbereich)
  • Einschlafschwierigkeiten
  • Ungeschicklichkeit
  • beeinträchtiges Selbstwertgefühl
  • Überempfindlichkeit
  • Entwicklungsverzögerung
  • Distanzlosigkeit

 

Bei Verdacht auf AD(H)S wird neben Intelligenztests meist erfragt, wie groß die motorische Unruhe des Kindes ist, wie impulsiv es sich verhält und wie die Konzentrationsfähigkeit ist. Folglich ergeben die Ergebnisse die Diagnose.

Nur, hat man nun den Anspruch an die vorliegende Diagnose, dass sie die Ursachen benennt und Wege aufzeigt die Ursachen zu beheben, dann kommt man bei Lern- und Verhaltensproblemen meist nicht weit, da es nicht DIE eine Ursache gibt.

Fähigkeiten wie das Konzentrationsvermögen, Lesen, Schreiben, Rechnen, die Lernfähigkeit generell, werden von vielen unterschiedlichen Faktoren bestimmt, so dass es nicht das eine Gen gibt, das verantwortlich für diese Symptome ist.

 

Eine Diagnostik, die in Anlehnung an medizinische Vorgehensweisen die Symptome in erster Linie quantitativ erfasst, dient dazu, dass alle von dem Selben spechen, wenn gesagt wird, ein Kind habe AD(H)S, Dyskaklulie oder Legasthenie.

Die Begriffe sind Definitionen. Sie sind Kurzformeln, die auf das Auftreten bestimmter Symptome hinweisen. Die Begriffe sagen nichts darüber aus, was wirklich ist, was zu den Symptomen führt und wie ihnen folglich begegnet werden kann, um sie aus der Welt zu schaffen...

 

Positive Eigenschaften von Menschen mit AD(H)S

 

AD(H)S ist unabhängig von der Intelligenz des Menschen zu sehen.

Es gibt außerdem neben den bisher aufgezählten eher negativen Verhaltensauffälligkeiten eine Vielzahl positiver Eigenschaften, die Menschen mit AD(H)S auszeichnen:

  • charmant,
  • fröhlich,
  • lustig,
  • humorvoll,
  • kreativ,
  • fürsorglich,
  • aufgeweckt,
  • fantasievoll,
  • tierlieb,
  • sensibel,
  • einfühlsam,
  • wissbegierig,
  • technisch und naturwissenschaftlich sehr interessiert

Zusätzlich wirkt sich der oft stark ausgeprägte Gerechtigkeitssinn von AD(H)S-Betroffenen positiv auf ihre Mitmenschen aus.

Es ist sehr wichtig, dass Eltern von AD(H)S-Kindern bei aller Belastung diese positiven Eigen­schaften nicht übersehen. Darüber hinaus können Menschen mit AD(H)S, deren Talente richtig gefördert werden, förmlich über sich hinaus wachsen!